Am ersten Adventssonntag des Jahres 1961 wurde Helmut Haberkamm in dem Dorf Dachsbach im mittelfränkischen Aischgrund geboren. Aufgrund der Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof wurde die Aischgründer Mundart dieser Karpfen- und Krengegend für ihn zur ersten, eigentlichen und wahrhaft eigentümlichen Sprache.
Mit zehn Jahren setzte das Herauswachsen ein: Gymnasium in Neustadt/Aisch, dann Zivildienst im Windsbacher Knabenchor-Internat und schließlich das Studium der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik in Erlangen und Swansea (Wales). 1991 schloß die Doktorarbeit über Gegenwartsdichtung in Großbritannien diesen Lebensabschnitt ab.
Haberkamm ging danach als Lehrer in die Schule, seit 2001 arbeitet er am Emil-von-Behring-Gymnasium in Spardorf. Von 1999 bis 2005 war er der Vorsitzende der Neuen Gesellschaft für Literatur in Erlangen (NGL).

Frankn lichd nedd am Meer, mit diesem griffigen und programmatischen Titel seines Debütbandes betrat Haberkamm 1992 die literarische Szene in Franken - und feierte damit sofort einen erstaunlichen Erfolg. 1993 erhielt er prompt den Bayerischen Kulturförderpreis für seine neuartige Dialektpoesie, die - wie es in der Münchner Laudatio heißt - "von der Spannung zwischen authentischer Gestaltung von Sprache und Lebensform der Menschen des mittelfränkischen Aischgrundes und der strukturellen Vielschichtigkeit wie gedanklichen Offenheit moderner hochsprachlicher Lyrik" lebt. Mit den beiden Gedichtbänden Wie di erschdn Menschn (1993) und Leem aufm Babbier (1995) schloß Haberkamm seine Aischgrund-Trilogie ab.
Im Herbst 1999 brachte er einen neuen und völlig anders gestalteten Mundartlyrikband heraus: Lichd ab vom Schuß (ars vivendi verlag Cadolzburg). Die 49 Bildgedichte neben den 49 stimmungsvollen Schwarzweiß-Fotografien von Andreas Riedel stellen eine stille, poetische und sehr anrührende Hommage an das ländlich-bäuerliche Franken dar, das leise, doch unübersehbar im Verschwinden begriffen ist.
Im Herbst 2001 folgte der Nachfolgeband: Des sichd eich gleich (ars vivendi verlag Cadolzburg). In diesem Bild-und-Gedicht-Buch stehen sich Fotografie und Text in einem offeneren, subtileren Verhältnis gegenüber, so daß die verbindenden Querbezüge oft erst im Kopf des Lesers ihre Erhellung erfahren.

Mit der ersten Folge (Gfärbda Spoozn) des Theaterprojektes Schellhammer, die im Herbst 1996 am Theater Erlangen uraufgeführt wurde (Hauptrolle: Winfried Wittkopp; Regie: Karin Drechsel), begann Haberkamm mit dem Stückeschreiben für hiesige Schaupieler. Während der gesamten Spielzeit 1996/97 stand das Stück als Dauerbrenner auf dem Erlanger Spielplan. Die zweite Folge (Fleischia Stiggle) lief in der Spielzeit 1997/98 ebenfalls mit sehr großem Erfolg am Theater Erlangen. Auch in diesen dramatischen Werken wird die regionale Mundart als literaturfähige Sprachform ernst genommen, wobei sie vielschichtige Bilder, Geschichten und Gefühle zu transportieren vermag.
Im Mai 2000 wurde Haberkamms "fränkische Powenziade" Der Kartoffelkrieg uraufgeführt, eine Bühnenfassung von Ernst Penzoldts humoristischem Roman-Klassiker Die Powenzbande (Gangolf-Bühne Hollfeld / Fränkischer Theatersommer), die vom Bayerischen Rundfunk als Hörspiel produziert und gesendet wurde.

Im Oktober 2001 feierte das fränkische Musikal No Woman, No Cry - Ka Weiber, ka Gschrei Premiere am Theater Erlangen (Garage), ein Mundartstück über die drei alten Freunde Festus, Limbo und Bugatti, die sich beim Wiedersehen nach vielen Jahren ("30 Jahre Mittlere Reife") ihre Vorwürfe, Sehnsüchte und Erfahrungen mit Frauen vom Herzen reden und mit Hilfe ihrer gemeinsamen musikalischen Wurzeln wieder neu zueinander finden. Die drei Schauspieler und Musiker Stefan Kügel, Winfried Wittkopp und Stefan Nast-Kolb, die sich für diese freie Produktion zum eigens dafür gegründeten Theater KaNoma zusammenfanden, laufen in diesem Stück zu großer Form auf und begeistern ihr Publikum bei ihren Vorstellungen, sei es in Heppstädt, Erlangen, Dehnberg, Nürnberg oder bei einem der Gastspiele an anderen Orten.

Mit dem Bühnenrenner Die Schuddgogerer (Uraufführung am 20. Oktober 2005 im Theater Garage Erlangen) wurde die kreative Zusammenarbeit mit den beiden Schauspielern Winni Wittkopp und Stefan Kügel sowie dem Regisseur Jürg Schlachter fortgesetzt. Dieses "fränkische Bubenstück" präsentiert den Zuschauern zwei Schutt-Spezialisten vom Feinsten, "zwaa ganza Scheena": Rußer und Boggatsch. Zwei grundverschiedene Typen, der grüblerische Mumpfler und der praktische Bauchmensch, die sich angiften und aushorchen, dann wieder gegenseitig aufrichten und gemeinsam aufschwingen zu spitzbübischer Verspieltheit, hochgradiger Kunst und höherem Aberwitz. Zwei fulminante Verkörperer der fränkischen Seele und Sprache, die hier grandios aufspielen.

Stefan Kügel, der das Theater Kuckucksheim in Heppstädt bei Adelsdorf betreibt, brachte im Mai 2003 Helmut Haberkamms fränkisches Nachtstück Die g'schenkte Stund als Uraufführung beim Internationalen Figurentheaterfestival in Erlangen auf die Bühne. Der virtuose Puppenspieler agiert dabei nicht nur als die Hauptfigur, der Galsterer, ein gewürfelter Totengräber und Sänger, sondern verkörpert auch noch fünf weitere Figuren, allesamt Verblichene, denen es für eine Stunde in einer Herbstnacht noch einmal vergönnt wird, in ihr Dorf zurückzukehren, um mit Hilfe des Galsterers ihren Seelenfrieden zu finden. So entsteht ein dichtes, poetisches Spiel aus Magie und Realismus, mit viel Musik und Lebensschicksalen (Kompositionen: Dietmar Staskowiak).

Im Oktober 2006 feierte Helmut Haberkamms "fränkisches Drama" Der Franken-
hasser
am Staatstheater Nürnberg Premiere und wurde vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen (Regie: Alexander Schilling). Die Hauptfigur Manfred Eisenkolb (Michael Nowack), ein verbitterter Zimmermeister und zwiegespaltener Heimatdichter, der seiner Ehefrau Liselotte (Antje Cornelissen) und seinem Sohn (Philipp Weigand) arg zusetzt, soll überraschend in München vom Ministerpräsidenten feierlich mit dem großen Bayerischen Staatspreis geehrt werden. Als er mit einem Eklat droht, versuchen ihn der Pfarrer (Carlos Gundermann) und die Bürgermeisterin (Petra Auerochs) zur Vernunft zu bringen. Am Ende kommt es dann ganz anders als gedacht, aber es wird auf jeden Fall typisch fränkisch.

Im November 1997 erschien die CD Frankn lichd nedd am Meer... und mehr und mehr (ars vivendi verlag Cadolzburg), auf der Helmut Haberkamm Mundartgedichte liest, musikalisch unterstützt und umrahmt von Ralf Bauer und der Obersteinbacher Blaskapelle sowie den Jazzern Rudi Mahall, Henning Sieverts und John Schröder.
Eine vollkommen andere Facette seines Schaffens präsentierte er auf der CD Komm, süßer Tod (ars vivendi verlag Cadolzburg), die im Herbst 2001 auf den Markt kam und Mundarttexte zum Thema Tod und Sterben aus den verschiedenen Gedichtbänden von Helmut Haberkamm sowie geistliche Lieder von Johann Sebastian Bach vereint, gesungen vom Nürnberger Tenor Reiner Geißdörfer und begleitet von Paul Sturm (Orgel, Cembalo) und Christina Hussong (Gambe): thematisch ein Unikum und künstlerisch ein Kleinod im fränkischen Mundartbereich!

Über viele Jahre hinweg hat Helmut Haberkamm englischsprachige Songs ins Fränkische übertragen, vor allem Lieder mit erzählerischen und poetischen Texten, von Bob Dylan, Bruce Springsteen, Joni Mitchell, Tom Waits, John Hiatt und vielen anderen. Auf der CD Fodd ieberm großn Wasser, die 2005 herauskam, werden 23 dieser Songs vorgestellt, rezitiert von Helmut Haberkamm und gesungen vom Musiker und Liedermacher Johann Müller aus dem Steigerwald. Mit ihrem gleichnamigen Programm treten die beiden auch immer wieder auf den fränkischen Bühnen der Region erfolgreich auf.

Der Erlanger Schauspieler, Musiker, Maler und Allround-Künstler Winni Wittkopp brachte im Sommer 2003 die CD Barfißi auf der Herdplattn heraus, auf der er mehr als zwei Dutzend Mundarttexte von Helmut Haberkamm singt und spricht und auf stets originelle Weise musikalisch vertont (Birke + Sommer Verlagsgesellschaft Erlangen). Er erhielt dafür den AZ-Stern der Woche von der Nürnberger Abendzeitung.

Von Helmut Haberkamm sind zudem eine Reihe von Erzählungen erschienen, einerseits in Hochdeutsch, andererseits mit unverwechselbar regionalem Einschlag, und zwar in den Anthologien Einwärts, auswärts. Moderne Prosa aus Franken (hrsg. von Michael Zeller und Bobby Kastenhuber), Das Nürnberg-Lesebuch und Nürnberger Ansichten (hrsg. von Steffen Radlmaier), Gold.Rausch.Engel. Das Buch zum Fest (hrsg. von Steffen Radlmaier) und Zugabe! Literarische Streifzüge durch Konzertsäle (hrsg. von Horst Lauinger und Steffen Radlmaier), alle publiziert im ars vivendi verlag Cadolzburg. Die Geschichte Das wunderliche Gesicht von Tragelhöchstädt fand Eingang in die von Bernd Flessner herausgegebene Textsammlung Reisen zum Planeten Franconia. Science Fiction aus Franken (Verlag Ph.C.W.Schmidt, Neustadt an der Aisch 2002). Der Nachfolgeband Rückkehr zum Planeten Franconia (2006) enthält Haberkamms Erzählung Terminal.

Für Buchprojekte arbeitete Helmut Haberkamm nicht nur mit Andreas Riedel zusammen, sondern auch mit einigen anderen Fotografen, so mit dem Nürnberger Kulturpreisträger Horst Schäfer (Fürther Freiheit. Ein fotografischer Spaziergang, 1999), dem international renommierten Naturfotografen Berndt Fischer (Naturerlebnis Franken. Streifzüge durch eine Seelenlandschaft, 2001) und dem Bamberger Erich Weiß (Mein Aischgrund. Rund um Aurach, Aisch und Reiche Ebrach, 2002). Gemeinsam mit den Pianisten und Komponisten Heinrich Hartl und Klaus Treuheit trat Haberkamm in Projekten an die Öffentlichkeit, die Musik und Mundartpoesie in einer reizvollen Symbiose miteinander kombinieren. Mit dem türkisch schreibenden Lyriker Garip Yildirim aus Erlangen bestritt Haberkamm einen Leseabend, bei dem türkische und fränkische Gedichte für wechselseitige Spiegelung und Spannung sorgten: Verknüpfung und Zusammenklang als Inhalt und Programm.

Weitere künstlerische Projekte verbinden ihn mit Petra Nacke (Autorin, Sängerin, BR-Sprecherin) und Elmar Tannert (Schriftsteller), mit denen er ein satirisches Text-Lied-Programm auf die Bühne bringt (Schimpf und Schande), sowie mit der Original Hersbrucker Bücherwerkstätte, die Haberkamm-Texte über kuriose Todesfälle zu einem aufwändigen, witzigen Künstlerkalender ausgestalteten: Tödliches Franken (2007).

Im Jahre 2007 erschienen drei neue Bücher mit Haberkamms künstlerischer Beteiligung. Der in Nürnberg lebende Maler Siegbert von Stockhausen veröffentlichte ein rundum schönes fränkisches Bilderbuch mit vielen farbfrohen Aquarellen, die Orte von der Fränkischen Schweiz bis in den Aischgrund stimmungsvoll einfangen: Mein Franken. Ein Künstler und seine Landschaft (Koberger & Kompany Verlag Nürnberg). Dazu schrieb Helmut Haberkamm einige poetische Landschaftsbeschwörungen "zum darin Versenken und Versinken".

Der Nürnberger Maler und Grafiker Kurt Neubauer ist der Herausgeber und Illustrator des prachtvoll ausgestalteten Sammelbandes Stadtgeheimnisse, in dem eine Reihe fränkischer Autoren altbekannte sowie noch nie gehörte Nürnberger Sagen auf unterhaltsame Weise neu erzählen (W. Tümmels Verlag Nürnberg). Dazu steuerte Haberkamm zwei packende Geschichten bei, eine über Die Säulen der Kaiserkapelle und die andere, Der sagenhafte Jörg Graf, die das schier unglaubliche Leben jenes fränkischen Beutlergesellen, Kriegssöldners und Bänkelsängers schildert, der 1542 in Nürnberg starb, doch in Haberkamms Heimatdorf Dachsbach geboren worden war.

Licht-Blick. Kirchenbilder von Horst Schäfer, so heißt ein verblüffend preisgünstiger Bildband des renommierten Nürnberger Fotografen, der hier viele eindrucksvolle, raffiniert aufgebaute Schwarzweiß-Stimmungen aus fränkischen Kirchen versammelt, die den Betrachter anrühren und erstaunen (Erich Weiss Verlag Bamberg). Dazu steuert Helmut Haberkamm viele hintersinnige Mundartverse bei, die der Strenge der Bilder eine heitere und nachdenkliche Bodenständigkeit verleihen.

Für 2008 stehen zwei neue Theaterproduktionen von Helmut Haberkamm auf dem Programm von Bühnen in der Region. Die Fichtn im Weiher odder Vier Tempramente in voller Fahrt (Uraufführung am 9. Mai 2008, Regie: Jürg Schlachter) wurde vom Publikum und von der Presse begeistert aufgenommen. Stefan Kügel spielt diese furiose "fränkische Kerwa-Komödie" weiterhin in seinem Theater Kuckucksheim in Heppstädt, am Theater Erlangen (Garage) sowie im Dehnberger Hoftheater in Dehnberg bei Lauf.
www.kuckucksheim.de
www.dehnbergerhoftheater.de

Der Kaschberlesmoo, so heißt ein "fränkisches Puppenstück", das am 31. Oktober 2008 am Erlanger Theater (Garage) uraufgeführt wurde. Auf die Bühne gebracht hat es der Schauspieler und Puppenspieler Wolfgang Tietz vom Theater Regenbogen (Haidhof bei Gräfenberg), Regie führte Michael Blumenthal. Wie hier ein einziger "Spieler", der arg gebeutelte "Kaschberlesmoo", mehr als ein gutes Dutzend einprägsame Figuren, Gesichter, Stimmen und Echos zum Leben erweckt, das zieht die Zuschauer in den Bann und geht ihnen mächtig unter die Haut. Ein ganz besonderes Kabinettstück in fränkischer Seelenpoesie!
www.theater-regenbogen.de

Dachsbacher Wort-Schatz-Kästla, unter diesem Motto präsentiert Helmut Haberkamm gemeinsam mit dem Dachsbacher "Freibäcker" Arnd Erbel (www.erbelbrot.de) eine Serie ganz besonderer Bäcker-Tüten-Texte: eine Sammlung von "Mundartausdrück zum Merken und Benutzen", die allmählich fast schon in Vergessenheit zu geraten drohen, aber viel zu schön sind um sang- und klanglos verschütt zu gehen ("ficherland", "olber", gäddli"). "Backwerk und Mundart vom Feinsten", so heißt es auf den einmaligen Tüten, die vom Fürther Grafiker Armin Stingl und der Nürnberger Illustratorin Irma Stolz künstlerisch gestaltet und veredelt werden.